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Korn und Textur, richtig gemacht

Korn ist der schnellste Weg, ein digitales Bild als Film lesen zu lassen — und der schnellste Weg, es als billigen Filter lesen zu lassen. Der Unterschied liegt vollständig darin, ob sich das Korn wie Silber in einer Emulsion verhält oder wie eine obenauf geklebte Rauschebene.

Woher Korn tatsächlich kommt

Fotografischer Film trägt Silberhalogenidkristalle in Gelatine. Licht wandelt sie um, die Entwicklung verstärkt sie, und übrig bleibt eine zufällige Verteilung von Klumpen, die das Bild bilden. Entscheidend: die Klumpen sind physisch im Film, also Teil des Bildes und keine Ebene darüber. Sie skalieren beim Vergrößern mit, sie hängen von der Belichtung ab, und sie klumpen, statt sich gleichmäßig zu verteilen. Digitales Rauschen dagegen entsteht pro Pixel im Sensor und ist dort am stärksten, wo am wenigsten Licht ist.

Warum Korn in den Mitteltönen lebt

Im Negativ haben tiefe Schatten kaum Belichtung erhalten, also entwickelten sich wenige Kristalle und es gibt kaum sichtbare Struktur. Helle Lichter sind fast vollständig entwickelt, das Korn verschmilzt zu geschlossener Dichte. Die Mitteltöne — wo sich ungefähr die Hälfte der Kristalle entwickelte — zeigen die größte Streuung und damit das sichtbarste Korn. Diese Verteilung richtig hinzubekommen unterscheidet überzeugendes Korn von einer gleichmäßigen Rauschschicht: der Himmel sollte glatter sein als das Gesicht, ein schwarzer Schatten fast sauber.

Größe, Empfindlichkeit und Vergrößerung

Schnellere Filme nutzen größere Kristalle, um mehr Licht zu fangen, also ist ein 400er körniger als ein 100er und ein 3200er noch körniger. Die Korngröße hängt zudem davon ab, wie stark man vergrößert: dasselbe Negativ zeigt im kleinen Abzug feines und im Poster grobes Korn. Deshalb sollte Korn auf die Ausgabegröße skaliert und nicht in Pixeln fixiert werden — Korn, das auf dem Handybildschirm stimmt, wirkt groß betrachtet wie Sand.

Korn hinzufügen, ohne das Bild zu ruinieren

Drei Regeln decken das meiste ab. Halte es monochrom oder fast — farbiges Korn liest sich als Sensorrauschen, nicht als Film. Wende es vor jeder Schärfung an, denn eine geschärfte Kornebene erzeugt krachende Kanten, die kein Film je hatte. Und nimm weniger, als sich richtig anfühlt: Korn, das auf den ersten Blick auffällt, ist meist doppelt so stark wie nötig. Ziel ist eine Textur, die man bemerkt, wenn man hinsieht, kein Effekt, der sich ankündigt.

Die Namen von Filmmaterial in diesem Ratgeber verweisen nur zur Orientierung auf reale fotografische Produkte. CAMCAM steht in keiner Verbindung zu einem Filmhersteller, ist von keinem unterstützt oder lizenziert; die Looks sind eigenständige Interpretationen, keine Reproduktionen.

Häufige Fragen

Soll Korn farbig oder monochrom sein?

Fast immer monochrom. Echter Farbfilm hat zwar Korn in jeder Farbschicht, das sichtbare Ergebnis ist aber weit neutraler als das bunte Gesprenkel von Farbrauschen. Farbiges Korn ist der schnellste Weg, eine Filmsimulation digital aussehen zu lassen.

Verdeckt Korn schlechte Bildqualität?

Banding und leichte Kompressionsartefakte maskiert es wirklich gut, weshalb es im Video-Mastering eingesetzt wird. Unschärfe oder starkes Rauschen rettet es nicht — Korn auf Rauschen ergibt beides.

Wie viel Korn ist zu viel?

Wenn das Korn das Erste ist, was jemandem am Bild auffällt, ist es zu viel. Ein guter Test: das Bild in der Größe betrachten, in der es tatsächlich gesehen wird. In 100-%-Ansicht eingestelltes Korn ist fast immer übertrieben.

Sollte die Körnung bei wenig Licht automatisch zunehmen?

Beim echten Film nicht — die Körnungsmenge hängt vom gewählten Filmtyp ab, nicht vom Umgebungslicht. Aber das Sensorrauschen, das bei wenig Licht ohnehin entsteht, verstärkt den Eindruck der Körnung — das ist ein erwartetes Zusammenspiel, kein ungewollter Anstieg.

Sieh es auf deiner eigenen Kamera. CAMCAM lässt die Filmsimulation als Live-Shader auf der Kamera deines Telefons laufen. Nichts wird hochgeladen — der Look wird Bild für Bild auf dem Gerät berechnet.

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