Für den Film-Look drehen
Eine Filmsimulation kann nur mit dem arbeiten, was die Kamera liefert. Der größte Unterschied zwischen Material, das einen Film-Look überzeugend annimmt, und Material, das sich dagegen sperrt, entsteht im Moment der Aufnahme — und die Entscheidungen betreffen Licht und Belichtung, nicht die Ausrüstung.
Auf die Lichter belichten und sie schützen
Digital beschneidet hart: Ist ein Licht einmal ausgefressen, holt keine Bearbeitung es zurück, und eine Simulation über beschnittenen Lichtern erzeugt flache weiße Flächen, wo Film Struktur gehabt hätte. Belichte so, dass die hellste wichtige Stelle im Bild — ein vom Fenster beleuchtetes Gesicht, ein heller Himmel — knapp unter dem Beschnitt liegt. Schatten lassen sich an modernen Sensoren weit besser retten als Lichter; im Zweifel also eher etwas dunkler. Diese eine Gewohnheit bringt für den Film-Look mehr als jedes Grading.
Weiches gerichtetes Licht schlägt flaches Licht
Film wirkt am besten bei Licht mit Richtung und sanftem Abfall: ein Fenster, bedeckter Himmel, die Stunde nach Sonnenaufgang. Harte Mittagssonne erzeugt Kontrast, gegen den die Simulation anschließend ankämpfen muss, und flaches Frontlicht gibt ihr gar nichts. Wenn du nur bei hartem Licht drehen kannst, stelle das Motiv in offenen Schatten und lass den hellen Hintergrund die Lichter liefern — dieser Kontrast zwischen weichem Motiv und hellem Umfeld ist sehr filmisch.
Kontrast in der Kamera senken, im Grading hinzufügen
Wenn deine Kamera ein flaches oder neutrales Profil bietet, nutze es. Jeder in der Aufnahme eingebackene Kontrast ist Kontrast, den die Simulation nicht rückgängig machen kann, und die Standardprofile der Hersteller sind darauf abgestimmt, auf einem Handydisplay knackig auszusehen, nicht darauf, gradiert zu werden. Dasselbe gilt für kamerainterne Schärfung und Sättigung: herunterdrehen. Eine etwas fade wirkende Aufnahme ist der richtige Ausgangspunkt — sie sieht falsch aus, bis der Look sitzt, und daran muss man sich gewöhnen.
Objektive, Bewegung und die kleinen Dinge
Alte oder unvergütete Objektive flaren und verlieren Kontrast auf eine Art, die sich als Film liest, und selbst ein günstiger Diffusionsfilter mildert digitale Schärfe überzeugend. Im Video zählt die Verschlusszeit mehr, als man denkt: ungefähr das Doppelte der Bildrate — 1/50 bei 25 fps — ergibt die Bewegungsunschärfe, die das Kino allen antrainiert hat, während eine kurze Verschlusszeit unabhängig vom Grading knackig und modern aussieht. Und halte die Kamera etwas ruhiger, als es sich natürlich anfühlt; Filmkameras waren schwer, und dieses Gewicht gehört zum Look.
Häufige Fragen
Brauche ich für einen Film-Look eine teure Kamera?
Nein. Disziplin bei den Lichtern, Lichtqualität und eine gute Simulation zählen weit mehr als Sensorgröße. Eine Handyaufnahme in weichem gerichtetem Licht mit geschützten Lichtern nimmt einen Film-Look besser an als eine teure Kamera, die mittags in einen ausgefressenen Himmel fotografiert.
Soll ich in RAW fotografieren?
Bei Standbildern ja, wenn möglich, weil das die Lichter- und Farbinformationen bewahrt, mit denen eine Simulation arbeitet. Beim Live-Shader-Video ist der Punkt ein anderer: Der Look wird beim Drehen auf dem Bildstrom berechnet, es zählt also gutes Belichten und nicht das Aufheben maximalen Spielraums für später.
Warum sieht mein Material trotzdem digital aus?
Meist drei Ursachen: beschnittene Lichter, eingeschaltete kamerainterne Schärfung und eine zu kurze Verschlusszeit im Video. Behebe die, bevor du die Simulation verantwortlich machst — sie hebeln jeden Look aus.
Wie fotografiert man in einem Raum mit gemischten Lichtquellen (Fenster plus Deckenlampe)?
Bevorzuge die dominante Lichtquelle und dimme oder schalte die andere ab, wenn möglich; zwei Farbtemperaturen im selben Bild werden von der Simulation in dieselbe Richtung verschoben, und eine davon wirkt dann immer falsch.
Welche Verschlusszeit eignet sich am besten für bewegte Motive?
Eine Zeit, die etwas langsamer ist als etwa das Doppelte der Bildrate und dem Motiv erlaubt, leicht zu verwischen, ahmt die natürliche Bewegungsunschärfe von Film nach; eingefrorene Bewegung wirkt immer digitaler.
Sieh es auf deiner eigenen Kamera. CAMCAM lässt die Filmsimulation als Live-Shader auf der Kamera deines Telefons laufen. Nichts wird hochgeladen — der Look wird Bild für Bild auf dem Gerät berechnet.
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